Sicherheitsforscher sind nicht einfach in einen Tesla eingebrochen. Sie ließen dazu eine Drohne fliegen.
Während des Pwn2Own-Wettbewerbs bei CanSecWest in Vancouver inszenierten die in Deutschland ansässigen Experten Ralf-Philipp Weinmann und Benedikt Schmotzle einen Remote-Einbruch, der wie aus einem Spionagethriller wirkte. Sie verwendeten eine DJI Mavic 2-Drohne in Verbraucherqualität gepaart mit einem Standard-WLAN-Dongle. Das Ziel? Ein Tesla Model X.
Das Ergebnis war eine vollständige Demonstration des Fernzugriffs. Es dauerte weniger als drei Minuten. Sie schlossen die Türen auf. Habe sie geöffnet. Dadurch wurde eine kritische Schwachstelle in der Abhängigkeit der Automobilindustrie von Open-Source-Netzwerksoftware aufgedeckt.
Der TBONE-Angriffsvektor
Der Exploit mit dem Namen TBONE zielt auf das Infotainmentsystem der Tesla-Fahrzeuge Model S, 3, X und Y ab. Aber der Fehler betrifft nicht nur Tesla. Es liegt in ConnMan, einem Open-Source-Verbindungsmanager, der von mehreren Autoherstellern für die Verwaltung der Internetkonnektivität verwendet wird.
Weinmann und Schmotzle nutzten zwei spezifische Sicherheitslücken in ConnMan aus. Dadurch konnten sie einen Zero-Click-Angriff ausführen. Es war keine Interaktion seitens des Autobesitzers erforderlich. Keine Phishing-E-Mail. Kein physischer Zugang zum Fahrzeug.
Die Drohne fungierte als mobile Kommandostation. Die Angreifer operierten aus einer Entfernung von bis zu 100 Metern und stellten eine Verbindung zum WLAN-Netzwerk des Autos her. Im Inneren war der Kontrollumfang weitreichend.
Die Forscher konnten Türen und den Kofferraum entriegeln. Sitzpositionen anpassen. Lenk- und Beschleunigungseinstellungen ändern.
Es ging nicht nur darum, Türen zu öffnen. Der Exploit ermöglichte es ihnen, grundlegende Fahrzeugkonfigurationen zu ändern. Sie stellten fest, dass sie mit zusätzlicher Hardware sogar neue Wi-Fi-Firmware einspielen könnten. Dies würde den kompromittierten Tesla in einen Zugangspunkt verwandeln und es ihnen möglicherweise ermöglichen, andere Teslas in der Nähe auszutauschen und zu hacken.
Warum das für vernetzte Autos wichtig ist
Der TBONE-Angriff verdeutlicht einen gefährlichen Trend: Automobilhersteller integrieren komplexe Open-Source-Software in kritische Fahrzeugsysteme ohne strenge Sicherheitsprüfungen. ConnMan ist auf Komfort und nicht auf Verteidigung ausgelegt. Wenn diese Software die Brücke zwischen einem Auto und dem Internet übernimmt, vergrößert sich die Angriffsfläche exponentiell.
Die Forscher zeigten, dass körperliche Nähe nicht der einzige Risikofaktor ist. Eine Drohne kann die „Sperre“ eines geparkten Autos umgehen, indem sie die Konnektivitätsfunktionen des Fahrzeugs dafür nutzt. Der Exploit ermöglicht zwar keine vollständige autonome Kontrolle – das heißt, sie könnten das Auto nicht aus der Ferne von einer Klippe steuern –, gewährt aber ausreichend Zugriff, um erhebliche Störungen zu verursachen oder sich auf tiefere, gefährlichere Eingriffe vorzubereiten.
Teslas Reaktion und Branchenlücke
Tesla wartete nicht auf eine öffentliche Bekanntgabe, um zu handeln. Die Forscher hatten zuvor Tesla, Intel (den ursprünglichen Erfinder von ConnMan) und das deutsche CERT benachrichtigt. Sie alarmierten auch andere Hersteller, die möglicherweise dieselbe zugrunde liegende Technologie verwenden.
Tesla hat im Oktober ein Software-Update veröffentlicht, um die Schwachstelle zu schließen. Sie gewährten Weinmann und Schmotzle außerdem ein Bug-Bounty von 31.500 $. Dies ist eine gängige Vorgehensweise bei der verantwortungsvollen Offenlegung, wirft jedoch unangenehme Fragen gegenüber dem Rest der Branche auf.
Andere Autohersteller, die ConnMan verwenden, waren nicht so transparent. Wir wissen nicht, ob sie ähnliche Fixes veröffentlicht haben. Wir wissen nicht, ob ihre Kunden Zero-Click-Exploits über über WLAN verbundene Drohnen gleichermaßen ausgesetzt sind.
Die Technik ist da draußen. Die Drohne ist erschwinglich. Der Fehler ist real. Bis die gesamte Branche ihre Firmware aktualisiert, ist Ihr Auto möglicherweise besser vernetzt, als Sie denken. Und manchmal bedeutet Verbindung eine offene Tür.























