Seit Jahrzehnten ist der SsangYong Musso ein vertrauter Anblick in australischen Werkstätten. Der jetzt in KGM (ehemals KG Mobility) umbenannte Musso EV stellt den ersten großen Schritt des Autoherstellers in Richtung Elektrifizierung dar und einen Versuch, den Wert auf dem australischen Ute-Markt neu zu definieren. Das Modell 2026 gilt als das derzeit erschwinglichste elektrische Doppelkabinenmodell, aber sein langfristiger Erfolg wird davon abhängen, ob es die turbulente Vergangenheit der Marke hinter sich lassen und den Käufern ein überzeugendes Paket bieten kann.
Von Diesel-Wurzeln zu elektrischem Ehrgeiz
Der ursprüngliche Musso erlangte in den 1990er-Jahren dank seiner robusten Bauweise und dem Zugang zu Dieselmotoren von Mercedes-Benz große Popularität. Später entwickelte es sich zu einem leistungsfähigen Doppelkabinenfahrzeug, das durch wettbewerbsfähige Preise und geräumige Innenräume Vertrauen gewann. Allerdings bedrohten jahrelange finanzielle Instabilität das Überleben der Marke, bis sie kürzlich von der KG-Gruppe übernommen wurde. Jetzt markiert der Musso EV eine neue Ära – obwohl seine Entwicklung eindeutig vor der Umbenennung liegt.
Preis und Positionierung
Zum aktuellen Preis ist der KGM Musso EV das günstigste Elektroauto auf dem australischen Markt. Dieser Titel wird jedoch möglicherweise nicht von Dauer sein, da mehrere Konkurrenten in Sicht sind. Das Modell ist sowohl in der Konfiguration mit Frontantrieb (2WD) als auch mit Allradantrieb (AWD) erhältlich, wobei die hier getestete AWD-Variante mehr Leistung, aber etwas weniger Nutzlastkapazität bietet (805 kg gegenüber 902 kg beim 2WD).
In der Kabine: Modern und doch kompromisslos
Eine der Hauptstärken des vorherigen Musso war seine geräumige Kabine, die viele japanische Konkurrenten überragte. Die EV-Version verfügt jedoch über einen kleineren Innenraum – ein Schritt, der wahrscheinlich auf Kostenerwägungen zurückzuführen ist. Während die Kabine heller und moderner ist, opfert sie einen Teil der Praktikabilität, die den alten Musso so attraktiv machte. Ein Dual-Screen-Setup integriert ein 12,3-Zoll-Infotainmentsystem mit einem passenden digitalen Kombiinstrument und minimiert so die physischen Bedienelemente.
Trotz der modernen Ästhetik wirkt der Innenraum billiger als beim Vorgänger, mit hohlen Materialien und überstürzter Entwicklung, die sich in Details wie schlecht dimensionierten Getränkehaltern und einer Heckscheibe zeigen, die störende Bremslichter reflektiert. Das Fehlen von drahtlosem Apple CarPlay und Android Auto in dieser Preisklasse ist ebenfalls ein eklatantes Versäumnis.
Leistung und Akkulaufzeit
Der Musso EV bietet zwei Antriebsoptionen: einen Einzelmotor mit 152 kW/339 Nm (2WD) und einen Doppelmotor mit 266 kW/630 Nm (AWD). Beide Versionen verwenden eine 80,6-kWh-Batterie und bieten eine Reichweite von 420 km für das 2WD-Modell und 380 km für das AWD-Modell. KGM behauptet, Schnellladefunktionen zu haben (20–80 % in weniger als 30 Minuten mit einem 300-kW-Gleichstromladegerät), obwohl die Verfügbarkeit solcher Ladegeräte in Australien nach wie vor begrenzt ist. Das Fahrzeug unterstützt auch das Vehicle-to-Load-Laden (V2L), sodass Besitzer externe Geräte mit Strom versorgen können.
Auf der Straße fährt sich das EV besser als das Vorgängermodell mit Leiterrahmen, mit leichterer Lenkung und sanfterem Fahrverhalten. Allerdings ist er nicht besonders leistungsstark im Gelände und positioniert sich eher als Lifestyle-Fahrzeug denn als robustes Arbeitstier. Die AWD-Version bietet mehr Leistung, verfügt jedoch nicht über das rohe Drehmoment herkömmlicher Dieselfahrzeuge, und das automatische Bremshaltesystem kann beim Beschleunigen zu leichten Verzögerungen führen.
Standardfunktionen und Sicherheit
Der Musso EV ist serienmäßig mit 17-Zoll-Leichtmetallrädern, LED-Beleuchtung, selbstnivellierender Hinterradaufhängung, Zweizonen-Klimaautomatik und einer Reihe von Sicherheitsfunktionen wie adaptiver Geschwindigkeitsregelung und autonomer Notbremsung ausgestattet. Das Fahrzeug wurde noch nicht von ANCAP oder Euro NCAP getestet, verfügt aber über acht Airbags und eine Rundumsichtkamera.
Betriebskosten und Zuverlässigkeit
KGM bietet eine siebenjährige Garantie ohne Kilometerbegrenzung mit einer separaten 10-Jahres-Garantie ohne Kilometerbegrenzung auf die Batterie. Die Wartungsintervalle betragen alle 20.000 km oder 12 Monate, wobei der Festpreis für die Wartung zwischen 215 und 498 US-Dollar pro Besuch liegt. Der Energieverbrauch wird mit 23 kWh/100 km für den Zweiradantrieb und 26 kWh/100 km für den Allradantrieb angegeben.
Das Urteil
Der KGM Musso EV ist ein mutiger Schritt für eine Marke, die sich noch immer von den finanziellen Turbulenzen erholt. Auch wenn der Preis stimmt, halten mehrere Kompromisse – darunter eine kleinere Kabine, günstigere Innenmaterialien und fragwürdige Designentscheidungen – ihn davon ab, ein echter Game-Changer zu sein. Das Elektrofahrzeug findet möglicherweise eine Nische unter Käufern, die Wert auf Erschwinglichkeit und moderne Funktionen legen, aber sein langfristiger Erfolg wird von der Fähigkeit von KGM abhängen, diese Mängel zu beheben und Vertrauen in seine neue Ära aufzubauen.
Der Musso EV ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber er fühlt sich immer noch wie ein Work-in-Progress an. Käufer sollten ihr Wertversprechen sorgfältig im Vergleich zur Konkurrenz abwägen, bevor sie eine Entscheidung treffen.























