Der Schweizer Kanton Wallis hat die finanziellen Anreize für Plug-in-Hybridfahrzeuge eingestellt. Die Entscheidung ist nicht willkürlich. Sie folgt einer strengen Bewertung von Impact Living, die eine krasse Realität ans Licht brachte: Auf Bergstraßen bieten diese Autos im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren nahezu keine Kraftstoffeinsparungen oder Emissionsreduzierungen. Die Studie wurde eigens von den kantonalen Behörden in Auftrag gegeben und untersucht, wie sich diese Fahrzeuge tatsächlich in einer der topografisch anspruchsvollsten Regionen Europas schlagen.
Die Ergebnisse waren brutal. Quantitative Messungen des realen Kraftstoffverbrauchs zeigten, dass die Autos weit hinter ihren Marketingversprechen zurückblieben. In einigen Fällen war der Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Benzin- oder Dieselauto vernachlässigbar oder nahezu nicht vorhanden. Marc Müller, Energieingenieur und Co-Autor des Berichts, nahm im Gespräch mit dem Schweizer Radio RTS kein Blatt vor den Mund. Er nannte die Technologie „einen Betrug in Bezug auf CO2-Standards, Klimaziele und Verbraucher“.
Das Kernthema ist die Topographie. Das Wallis ist gebirgig. Das Gelände verändert die Fahrphysik auf eine Weise, die Labortests im Flachland einfach nicht erfassen können. Die Studie ergab, dass Plug-in-Hybride unter realen Bedingungen im Wallis fast viermal mehr CO2 ausstoßen, als die Hersteller angeben. Sogar Fahrer, die zu Hause und am Arbeitsplatz Zugang zu Ladestationen haben und die Batterie für kurze Fahrten in der Stadt aufgeladen halten, konnten die offiziellen Zahlen noch nicht erreichen.
Typischerweise werben die Hersteller mit Hybridfahrzeugen, die einen Kraftstoffverbrauch von 1,5 bis 2,5 Litern pro 100 Kilometer erreichen. Die Realität auf Walliser Straßen? Der Verbrauch liegt zwischen 4 und 7 Litern. Das ist vergleichbar mit einem Standard-Dieselmotor. Muller wies darauf hin, dass die Trennung nicht nur theoretisch sei; Es handelt sich um eine messbare Lücke, die den Nutzen für die Umwelt für viele Nutzer zunichte macht.
Das Muster überbewerteter Emissionen
Das Wallis ist nicht der erste Ort, der diese Diskrepanz bemerkt. Der Kanton finanzierte die Impact Living-Studie, nachdem er in breiteren Analysen ein Muster erkennen konnte. Bereits 2020 hat die NGO Transport & Environment (T&E) drei der meistverkauften Plug-in-Hybrid-Modelle des Jahres unter die Lupe genommen. Ihre Schlussfolgerung war vernichtend: Die realen CO2-Emissionen blieben durchweg höher als die offiziellen Angaben der Hersteller.
Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hat diese Meinung bestätigt. Ihre Studien kamen zu dem Schluss, dass Plug-in-Hybride unter realen Fahrbedingungen im Allgemeinen mehr CO2 ausstoßen als die Messungen, die in ihren behördlichen Genehmigungsprozessen verwendet wurden. Der Abstand zwischen dem Testlabor und dem Asphalt ist groß und wird deutlich größer, wenn die Höhe ins Spiel kommt.
Das Mittelweg-Paradoxon
Für viele Automobilexperten liegt der Plug-in-Hybrid in einem unbequemen Mittelweg. Es vereint die schlechtesten Aspekte beider Technologien. Man bekommt die Luftverschmutzung durch Verbrennungsmotoren mit, aber man erbt auch das hohe Gewicht und die überhöhten Preise, die mit Elektroantrieben verbunden sind. Der Aufbau mit zwei Motoren erhöht die Masse, was sich negativ auf die Effizienz auswirkt, insbesondere bei steilen Steigungen, wo die Schwerkraft ein ständiger Gegner ist.
Wenn sie nicht regelmäßig aufgeladen werden, werden diese Fahrzeuge zu Spritfressern. Sie tragen das Eigengewicht eines großen Batteriepakets und eines Elektromotors ohne den Vorteil eines Elektroantriebs, wodurch der Benzinmotor härter arbeiten muss. Allerdings ist die Technologie nicht allgemein nutzlos. Für Fahrer, die lange Fahrten auf der Autobahn mit dem Stadtverkehr kombinieren und regelmäßig aufladen, kann es dennoch eine sinnvolle Alternative zum Diesel sein. Diesel geriet nach dem Volkswagen-Abgasskandal in Ungnade und hinterließ eine Marktlücke, die Hybride zu schließen versuchten. Der Wallis-Bericht legt nahe, dass diese Auffüllungsaufgabe in Bergregionen nicht funktioniert hat. Die Subventionen sind weg. Die Frage ist nun, ob andere Regionen nachziehen werden oder ob der Hype weiterhin stärker sein wird als die Hardware.























